Reste der Stadtmauer entdeckt
Historischer Tag für Laasphe: Ausgrabungen bei Familie Metz an
der Mauerstraße erfolgreich
Bad Laasphe. (howe) 5. Juli 2006: Das
Datum dürfte in die Bad Laaspher Geschichtsbücher eingehen und nachfolgende
Generationen beschäftigen. Gestern Vormittag fanden Fachleute
des Westfälischen Museums für Archäologie in Olpe gemeinsam
mit der Firma BERGE-BAU Reste
der alten Stadtmauer, deren erste Überlieferung auf
das Jahr
1438 zurückgeht.
An der Mauerstraße auf dem Grundstück
der Familie Paul-Friedrich Metz hatte man den Fund
vermutet, in der Tat kam ein 2,50 Meter breites, leider brüchiges Stück
der Stadtmauer zum Vorschein.

Geschafft: Die Stadtmauer von 1438 erstreckt sich auf dem Grundstück der Familie
Metz
und verläuft unterhalb des Bürogebäudes in 2,50 Meter Breite. (Foto: Siegener
Zeitung)
Heimatforscher Eberhard Bauer hatte überdies den richtigen
Riecher: Er vermutete bereits zu Beginn der Ausgrabungen die Reste
des nordöstlichen Flankenturmes exakt unter dem angrenzenden Garagengebäude
der Firma Treude & Metz. Priv.
Doz. Dr. Michael Baales vom Westfälischen
Museum für Archäologie Olpe bestätigte im SZ-Gespräch: "Der Turm wird
wohl unter dem Gebäude liegen." Dr. Michael Baales war es, der die
Grabungen gestern früh gemeinsam mit Kollegin Dr.
Eva Cichy leitete.
Gegen 9.30 Uhr der erste Erfolg: Unter der Baggerschaufel kam ein etwa
60 Zentimeter breites Mauerwerk zum Vorschein - wohl nicht die Stadtmauer,
sondern eher das erstaunlich gut erhaltene Fundament eines Hauses am
Vorstadtrand. Dr. Michael Baales und Dr. Eva Cichy lagen richtig. Sie
studierten die Karte aus dem Forstatlas von 1738 und gaben die Order
aus, unmittelbar neben dem gefundenen "Haus" eine weitere Grabung durchführen
zu lassen. Volltreffer: Gut 50 Zentimeter unter dem neuzeitlichen Schotter
bröckelten die Bruchsteine heraus. Hierbei leistete der Baggerführer
meisterliche Feinarbeit.

Heimatforscher Eberhard Bauer aus Bad Laasphe erläuterte Dr. Eva Cichy
auf der
Forstatlas-Karte von 1738 die Örtlichkeiten - am Ende mit dem
richtigen Riecher.
(Foto: Siegener Zeitung)
Kurz bevor die Mauerreste ans Tageslicht gelangten,
entdeckte Walter Davidis von der Stadt Bad
Laasphe Brandschutt - ein
Hinweis auf den großen Stadtbrand von 1822. Grundstückseigentümer Dr.
Paul-Friedrich Metz jun., der im Zuge seiner Entsiegelungsmaßnahmen
die historische Dimension der geschützten Wallgrabenzone erkannt und
die Ausgrabungen vorangetrieben hatte, zeigte sich hellauf begeistert:
"Ich habe spontan gesagt, dass ich das hier erhalten will." Gemeinsam
mit den übergeordneten Behörden und der Stadt Bad Laasphe wird Dr.
Paul-Friedrich Metz jetzt Möglichkeiten denkmalschützender Maßnahmen
erörtern. Denkbar wäre, das freigelegte Mauerwerk wieder aufzufüllen
und den Grundriss mit einem farbigen Pflaster
zu dokumentieren. Fördermittel
stehen hierzu noch bereit. Die Stadtmauer wurde nach Ansicht der Historiker
nach 1277 erbaut, eine erste Überlieferung datiert aus dem Jahre 1438.
Die Stadtbefestigung bestand aus der rund 2,50 Meter breiten Mauer,
zwei Stadttoren, vier runden Türmen, einem eckigen und einem halbrunden
Turm sowie dem davor verlaufenden Stadtgraben.

Priv. Doz. Dr. Michael Baales und Dr. Eva Cichy vom Westfälischen Museum für
Archäologie
in Olpe leiteten gestern die Grabungen. 60 Zentimeter misst die
Mauer, die nach einer
dreiviertel Stunde freigelegt war - für eine Stadtmauer
wohl zu schmal.
(Fotos: Siegener Zeitung)
Reste dieser Befestigung sind heute noch auszumachen,
etwa in der Nähe eines abgerissenen Hauses bei der Hof-Apotheke, im
Keller der Familie Moschner oder bei Ecke Dürrs. Hier wurde, wie Eberhard
Bauer wusste, ein Teil des Hauses auf die alte Stadtmauer gebaut. Die
Stadtmauern verschwanden etwa um 1820/30. Damals diente sie nur noch
dazu, das "fahrende Volk" von der Stadt ferzuhalten. Bürger bewachten
die Mauer. Die Stadttore wurden geschlossen, damit niemand Fremdes
hineinkommen konnte.

Siegener Zeitung (06.07.2006)