Der Tag nach „Kyrill”: Es wird weiter geräumt
Schäden im Wald kaum überschaubar
Noch Straßen gesperrt
Wittgenstein. (wp) Fritz
Heinrich Hof greift zur Fernbedienung an der Winde und lässt
eine Fichte den Hang hinab. "Damit werden wir heute nicht
mehr fertig", resümiert er. Die Rösper werden
sich noch gedulden müssen, bis ihre Verbindungsstraße
nach Birkelbach und Erndtebrück wieder freigeräumt
ist. So ging es vielen Wittgensteinern am Tag nach dem Orkan
Kyrill. Von zwei Seiten versuchen sich bei Röspe die Waldarbeiter
durch ein Fichten-Mikado zu arbeiten, das kreuz
und quer über
die Fahrbahn verteilt ist. Mehr Männer gibt es derzeit nicht.
Denn überall im Altkreis versuchen Helfer, wenigstens die
wichtigsten Straßen freizuarbeiten.

95 Prozent der Störungen konnten Techniker gestern beheben.
1.000
Wittgensteiner
waren ohne Strom.
(WP-Foto: Ute Schlapbach)
Auch bei den Bundesstraßen gelingt das erst
im Laufe des Vormittags. Die Land- und Kreisstraßen müssen
warten. Hinter Birkefehl geht wohl noch Tage nichts mehr. Und
um die Verbindung von Wingeshausen Richtung Jagdhaus freizubekommen,
wird man wohl erst Großgerätschaft herbeiholen müssen
- wann, weiß noch niemand.
Kyrill hat seine verheerenden
Spuren überall
in Wittgenstein hinterlassen. Auf ganzen
Waldstücken liegen
die Fichten flach. Wie groß die Schäden für
die Waldbesitzer sind, kann noch niemand genau sagen, keiner hat
den Überblick. Die Waldwege sind größtenteils
unpassierbar. "Wir brauchten einen Hubschrauber, um alles
genau zu sehen", sagt Richard Prinz zu
Sayn-Wittgenstein.
Die Schäden an Gebäuden halten sich
glücklicherweise in Grenzen. "Keine dringenden Sicherheitsmaßnahmen
erforderlich", diagnostiziert Bürgermeister
Bernd Fuhrmann für Bad
Berleburg. An der Realschule sind 20 Deckenplatten
durchnässt, am Gymnasium und an einigen Dorfgemeinschaftshäusern
kleinere Schäden aufgetreten. Und auch Jürgen
Pospichal gibt diesbezüglich für Bad
Laasphe Entwarnung. Nur
eine Glaskuppel am Feudinger Schulzentrum hat der Sturm weggefegt.
Selbst das Hochwasser war noch erträglich: "Deutlich
niedriger als das letzte Mal."
Die Erndtebrücker sind ebenfalls glimpflich
davongekommen - wenn man davon absieht, dass einige Bereiche
auch gestern noch zeitweise ohne Strom auskommen mussten. Zinse beispielsweise. Dort ist man aber erst einmal froh, dass die
kleine Ortschaft wieder erreichbar ist.

95 Prozent der Störungen konnten Techniker gestern beheben.
1.000 Wittgensteiner waren ohne Strom. (WP-Foto: Ute Schlapbach)
Und der Strom war sogar eher wieder da als in
anderen Bereichen Wittgensteins, wo Mitarbeiter des Energieversorgers
RWE im Großeinsatz waren. Mehrere 10.000-Volt-Leitungen
waren von herabstürzenden Bäumen begraben worden und
mussten wieder aufgebaut werden. Ingesamt 1.000
Wittgensteiner,
schätzt das Unternehmen, mussten auf Elektrizität verzichten.
95 Prozent der Störungen waren gestern Abend abgearbeitet.
Heute soll es weitergehen.
Von Karl-Peter Rasche

WESTFALENPOST (20.01.2007)