„Potenzial für weiteren Vollanbieter“
Investor BERGE-BAU stellte Laaspher Stadtrat Planungen für Stockwiesen-Umgestaltung
vor
JG Bad Laasphe.
Schon lange hat die Stadt Bad Laasphe ein Auge auf die Umgestaltung
des alten Koch-Geländes geworfen. Weitere Einkaufsmöglichkeiten
sollten in irgendeiner Form auf der riesigen Industriebrache
in der Stockwiese angesiedelt werden. Jetzt habe die Besitzer-Familie
Schulte signalisiert, die gesamte Fläche zu veräußern, bereitete
Bürgermeister Robert Gravemeier am Mittwoch die Ratsmitglieder
auf den anschließenden Tagesordnungspunkt vor. Für die angedachte
Neunutzung müsse das Gebiet im
Bebauungsplan allerdings als Sonderfläche ausgewiesen werden, was nicht so einfach sei. Denn die Bezirksregierung
in Arnsberg hat sich bisher auf den Standpunkt zurückgezogen, dass
großflächige Einzelhandelsflächen außerhalb eines Stadtkerns nicht
mehr auszuweisen seien, um die Geschäfte in den Stadtkernen und
deren Bestand zu sichern.

BERGE-BAU hat als Investor viele Gespräche mit Interessenten geführt. Nach
Absichts-
erklärungen wurde dieser Plan gezeichnet, der ansässige und neue
Anbieter auf der Fläche
gruppiert: vorn ist die Straße "In der Stockwiese",
hinten ist die Laaspher Bahnhofstraße.
(SZ-Foto)
Um das Ansinnen in Arnsberg
durchzubekommen, sei eine Einzelhandels-Analyse zwingend notwendig.
Dabei gehe es um den Zu- und Abfluss von Kaufkraft, um den Laaspher
Branchenmix und um die wirtschaftliche Auswirkungsprognose einer solch
großen Ansiedlung für Bad Laasphe und für das Umland. Diese Analyse
werde die Stadt Bad Laasphe in Auftrag geben, bezahlen solle sie allerdings
die Firma BERGE-BAU. Eine einheimische Firma, wie der aus Feudingen
stammende Eckehard Hof gleich zu Beginn schon einmal anmerkte. Etwa
100 ihrer Mitarbeiter wohnten im Stadtgebiet, rechnete er zusammen.
Und wenn man davon ausgehe, dass auf jeden Fall etwas gebaut werde,
dann sei es doch gut, wenn einheimische Firmen hier vor Ort das Geld
verdienen würden - anders als bei anderen Projekten in Wittgenstein.
Er beschrieb die Pläne folgendermaßen,
die angenommene Position des Betrachters war auf der Straße „In
der Stockwiese“ mit Blickrichtung auf Lidl und Aldi. Der Lidl soll ohnehin auf jeden Fall erweitert werden, er verschiebt sich ein
wenig in Richtung Bahnschiene, der Aldi bleibt unangetastet. Hinter
dem Lidl entsteht ein großer Edeka-Markt, rechts daneben ist Platz
für ein weiteres großes Gebäude, hierfür gibt es noch keinen festen
Aspiranten. Kleidung oder Schuhe wären ein denkbares Angebot.
Götz Hoffmann von der Edeka-Handelsgesellschaft
Hessenring stellte daraufhin noch mal etwas genauer den angedachten
Edeka-Markt vor. Auf 2.000 Quadratmetern Verkaufsfläche sollen Lebensmittel
und Getränke angeboten werden, Betreiber des Marktes soll ein selbstständiger
Einzelhändler sein. Der Mann von der Edeka war sich sicher, dass
die Lahnstadt die Kundschaft für einen neuen Laden hergebe: „Bad
Laasphe hat auf jeden Fall das Potenzial für einen weiteren Vollanbieter,
ohne dass Rewe darunter leiden muss“, analysierte er die Situation
und wies auf eigene Untersuchungen mit strengen Kriterien hin. Und
zusammen an einem Standort mit Lidl und Aldi sei das doch „eine schöne
runde Lösung“.
Teil der Edeka-Philosophie sei es,
viele Auszubildende zu haben. In einem hessischen Laden, vergleichbar
mit dem für Bad Laasphe geplanten Edeka-Laden, seien 50
bis 55 Arbeitsplätze
geschaffen worden, überschlug Götz Hoffmann, für Teilzeitkräfte und
Festangestellte.
Gewünscht hätten sich die Laaspher
auch einen Heimwerkermarkt, etwa einen Obi. Doch weder Obi noch Herkules
hätte man für Bad Laasphe gewinnen können, da seien die anderen Filialen
einfach zu nahe, so Eckehard Hof. Und außerdem brauche ein Obi schon
30.000 Quadratmeter für sich ganz allein.
Michael Giermeier
(CDU) begrüßte
das Gesamtvorhaben: „Wir müssen schauen, dass wir die Kunden wieder
hierherkriegen“. Siegfried Fey von der Neuen
Fraktion mahnte hingegen:
„Was tun wir den Leuten an, die bereits ein Geschäft in Bad Laasphe
betreiben?“ Mit dem Hinweis auf die erforderliche Analyse unterstrich
Bürgermeister Robert Gravemeier: „Es ist noch nichts in trockenen
Tüchern.“ Es sei lediglich sein Wunsch gewesen, dem Stadtrat
die Planungen vorzustellen.

Siegener Zeitung (10.02.2006)